Katalog erschienen
Für alle, die gern alle Kunstobjekte in den Hände halten wollen, haben wir jetzt einen Ausstellungskatalog herausgebracht, in dem alle Würfel zu sehen sind. Der Katalog kostet 10 € und kann bei der
Jugendförderung
R1,7 68199 Mannheim
0621 2933653
abgeholt werden. Man kann sich den Katalog auch zusenden lassen, kostet dann aber 2€ Porto. Einfach nur ein Mail schreiben, schon kommt der Katalog mit Rechnung ins Haus.
Das war’s
Die Austellung ist beendet.
Anfang des Jahres 2007 war es so weit. Mannheim feierte seinen 400. Geburtstag. Und weil so etwas nicht alle Tage vorkommt, wollten Mannheimer Kinder und Jugendliche nicht beiseite stehen und haben sich deshalb etwas besonderes ausgedacht. Sie präsentierten „400 Mannheimer Geschichten“, ein begeh- und erlebbares kubisches Kunstobjekt, bestehend aus 400 individuell gestalteten Würfeln, aufgestellt im unteren Luisenpark vom 15. Juni bis zum 9. September 2007.
Die Idee und die Federführung zu dem Projekt hatten die Jugendförderung und die Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder des Jugendamtes Mannheim; Mitstreiter waren der Stadtjugendring mit seinen angeschlossenen Verbänden, das Staatliche Schulamt und der Fachbereich Bildung.
Es waren über 2000 Kinder und Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Kinder aus Kindertagesstätten und Horten, Besucherinnen und Besucher aus Jugendeinrichtungen sowie Mitglieder aus den Verbänden des Stadtjugendrings, die „400 Mannheimer Geschichten“ erschaffen haben. Sie gestalteten ein begeh- und erlebbares Kunstobjekt und hatten dadurch die Möglichkeit, sich kreativ mit ihrer Stadt auseinander zu setzen. Sie gestalten einen zentralen öffentlichen Punkt im Unteren Luisenpark und wurden zu wichtigen Akteuren des Jubiläumsjahres. Sie blickten mit Lust und Begeisterung auf ihre Stadt und entdecken Mannheim auf eine neue und spannende Weise.
Das Spektrum der jungen Künstlerinnen und Künstler reichte von Zweijährigen aus Kinderkrippen bis hin zu Achtzehnjährigen aus Kunstleistungskursen an Gymnasien.
Angekündigt hatten die Initiatoren die Idee der „Mannheimer Geschichten“ Anfang letzten Jahres und waren überwältigt von der Resonanz und dem Interesse. Schon beim ersten Informationsabend im Januar 2006 kamen 80 Vertreterinnen und Vertreter von Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe und bekundeten ihr Interesse an einer Zusammenarbeit.
Im darauf folgenden März hatten sich dann knapp 40 Kinder und Jugendliche im Kulturzentrum Forum zusammengetan, um mit Unterstützung den Mannheimer Künstlern Ruth Marienhoff und Reiner Negrelli ein erstes Konzept zu erarbeiten. Der Mannheimer Morgen schrieb: „’Einfach mal ausprobieren’, könnte das Motto der zwölf Kinder und Jugendlichen lauten, die sich … künstlerisch betätigt haben.“
Die Jugendlichen wollten ausprobieren, mit welchen Elementen es möglich sei, 400 Objekte individuell zu gestalten aber gleichzeitig ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Es galt auszuprobieren, welche Formen und Materialien sich am besten für das Mammutprojekt unter freiem Himmel eignen und wo die Kunstwerke letztendlich aufgestellt werden sollten. Zunächst wurde die Neckarwiese favorisiert, doch nach einer Ortsbegehung entschieden sich die Jungen und Mädchen für den Unteren Luisenpark. In den darauf folgenden Monaten wurde das Konzept weiter entwickelt, um dann schließlich das Logo der Stadt Mannheim - den Kubus - aufzugreifen und als Grundform festzulegen.
Bei einem weiteren Workshop im Sommer und Herbst 2006 konnten dann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Probewürfeln ihre Gestaltungsideen experimentell aufbringen.
Letztendlich hat sich aus diesem Kreis der Interessierten eine junge Künstlergruppe gebildet, die den Projektverlauf als Kuratorium begleitete. Neben der Grundidee zu den Würfeln und zum Ausstellungsort haben diese jungen Menschen auch das Aufstellungskonzept unter Zuhilfenahme von Spielwürfeln entworfen. Symbolisch zur Quadratestadt Mannheim sind die Würfel in vier große Blöcke mit jeweils 100 Kunstwerken, unterbrochen durch die "Breite Straße" und die " Planken ", aufgestellt.
Die Ausschreibung zum Erwerb von „Würfelbausätzen „ erfolgte dann im Herbst 2006 und die Veranstalter waren überrascht von der überwältigenden Nachfrage. Über 800 Würfel hätten vergeben werden können, wäre es nach dem Wunsch der Schulen und sonstigen Institutionen gegangen. Manche Schulen hatten sich gemeldet und wollten allein mehr als 20 Würfeln gestalten. Da Mannheim jedoch erst 400 Jahre alt wurde, musste die Vergabe begrenzt werden, so dass jede interessierte Institution mit mindestens einem Würfelbausatz berücksichtigt werden konnte. Ein Symposium, das im Oktober veranstaltet wurde, bot dann für die "Würfelbauer "die Gelegenheit, letzte Informationen zu holen und gegenseitig Ideen auszutauschen.
Bis in den Mai 2007 hinein wurde nun gearbeitet. Dabei hatten die einzelnen Objekte neben den künstlerischen Freiheiten lediglich noch die eine oder andere grobe Gestaltungsrichtlinie zu erfüllen. So mußten die einzelnen Elemente zum Beispiel in das Grundkonzept passen und - da ein Freiluft-Kunstwerk entstehen soll - selbstverständlich auch wetterbeständig sein. Monatelang hatten die Kinder dafür gebastelt, gesägt, gemalt und gebaut, beklebt, besprüht und bedruckt. Im Prozess entwickelten sich viele Fragen wie z.B. „Wie kann man eine Kugelbahn bauen, die beweglich, jedoch wetterfest, und die Kugel dabei diebstahlsicher ist?“, oder „Wie kann man einen, von einer sehbehinderten Schule gestalteten Würfel, so hoch aufstellen, dass er von den Besucherinnen und den Besuchern "ertastet" werden kann, ohne dass er umfällt?“, oder „Kann man mit einer Stichsäge ein „Guck- Fenster“ einbauen, so dass der Würfel auch von innen zu besichtigen ist?“
Viele wollten ihre „Roh-Kuben“, die sie als Bausatz von den Veranstaltern erhalten haben, nicht nur anmalen, sondern räumlich erweitern sowie künstlerisch und bildhauerisch gestalten. Manche arbeiteten mit Gipsformen, andere wiederum benutzen eigenes Restholz, um ihren Würfel einmalig werden zu lassen. Auch bei diesem Findungsprozess wurden die Kinder und Jugendliche kontinuierlich von den Künstlern unterstützt.
Als es nun so weit war - die 400 Kunstobjekte wurden bis auf wenige Ausnahmen rechtzeitig fertig und im Unteren Luisenpark aufgestellt - fand am 15. Juni 2007 die Vernissage, also die Ausstellungs- eröffnung statt. Zuvor wurden die Würfel jedoch den Blicken der interessierten Zuschauer entzogen und von 400 Betttüchern verhüllt.
Nach einem einstündigen Unterhaltungsprogramm mit der Mannheimer Musikgruppe „Selten" und Zirkus-Attraktionen sprachen die damalige Erste Bürgermeisterin Frau Fürst-Diery und der damalige Kulturbürgermeister und jetzige Oberbürgermeister Herr Dr. Kurz („Hinter jedem Würfel steckt eine kleine Geschichte und insgesamt ein enormer Impuls für die Stadt“) Grußworte. Annika Fähnle, die 13 Jahre alte Bürgermeisterin der Luisenstadt sprach dann mit dem Leiter des staatlichen Schulamtes Herrn Stern und dem Vertreter des Kultusministeriums Herrn Hahn sowie mit den Vertretern der Sponsoren Sparkasse Rhein Neckar Nord und SV Sparkassenversicherung. Anschließend erklärte sie die Ausstellung für eröffnet.
Trotz Regens fiel der erste Ausstellungstag jedoch nicht ins Wasser: Vor lauter Leuten und Regenschirmen konnte man zunächst das Würfelfeld kaum sehen - in der Menge natürlich auch die jungen Schöpfer, die ihre kubischen Kreationen selbst „enthüllten“. Eine gute Aussicht auf die Wiese bot sich derweil für schwindelfreie Besucher: An der Renzstraße stand eine Hebebühne für den Überblick aus etwa zehn Metern Höhe bereit. Die Eröffnung wollte sich trotz des Dauerregens offensichtlich keiner entgehen lassen.
Die Zuschauer mussten zu Ausstellung im Unteren Luisenpark viel Zeit mitbringen, denn jeder Würfel war ein Unikat und sehenswert. Da gab es zum Beispiel den Würfel der Caritas, der auf die Armut in unserer Stadt hinwies. Bemerkenswert war auch der "Himmel über Mannheim" der Albrecht Dürer Schule oder der Recycling-Würfel des Kindergartens Jan Schütte. Natürlich wurde auch die Musikstadt Mannheim auf mehreren Objekten hervorgehoben.
Jede Besucherin, jeder Besucher fand etwas für seinen Geschmack. Sei es der Sonnenuntergang, von der alten Riedbahnbrücke aus gesehen, die zu dieser Zeit gerade abgerissen wurde oder der Würfel, der die klimatischen Veränderung der Erde abstrakt in Farben darstellte. Der Würfel mit der Nummer 1 beschrieb die Rechte der Kinder, die eigentlich in jedem Land der Welt eingehalten werden sollten. Ein anderer Würfel war nur mit Schriftzügen gestaltet wie z.B. „du bist Chef“, „du bist Mutter“, „du bist Egoist“ usw. Wenn man dann oben in den Würfel hineinschaute, war ein Spiegel zu sehen. Der Waldorf- Kindergarten hatte aus Würfeln ein Schiff gebaut, ein Kubus mit einer aufgeklebten Gitarre war die Idee des Pfadfinderbundes „Lorien". Schon zwei- bis dreijährige Kinder aus der Kinderkrippe in F7,1 waren gestalterisch tätig: Sie hatten ihren Würfel mit Sonnenblumen, Hand- und Fußabdrücken verziert. Pfiffig gemacht war auch der Kubus der Klasse 12 des Peter-Petersen- Gymnasiums, die ihren Würfel schräg absägten. So hatte jedes Kunstwerk seine Bedeutung und sollte die Zuschauer zum Nachdenken anregen.
Die jungen Menschen bildeten auf ihren Würfeln prägende Ereignisse, Erfindungen oder wichtige Persönlichkeiten aus 400 Jahren Stadtgeschichte ab. Sie setzten sich nicht nur mit ihrer persönlichen Lebenswelt auseinander, sondern beschrieben auf den Objekten auch ihre Lebensplanungen oder ihre Wünsche. Dabei war der Blick aber nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet, auch Zukünftiges war auf den einzelnen Elementen zur Darstellung gekommen.
In den drei Monaten, in denen die Kunstausstellung im unteren Luisenpark zu besichtigen war, haben rund 12.000 Zuschauer die 400 Objekte gesehen und waren begeistert von dem Ideenreichtum und der Vielfalt der einzelnen Würfel. Zu jeder Tages und Nachtzeit waren große und kleine Personen auf dem Platz und haben die Ausstellung trotz teilweiser schlechter Witterung gesehen, davon waren es allein am Eröffnungswochenende 2000 Personen. Vor den Ferien kamen unter der Woche Schulklassen, Kindergartengruppen und noch sehr viele Interessierte. An den Wochenenden konnte man vor allem viele Familien sehen, deren Kinder an der Würfelherstellung beteiligt waren und die ganz stolz ihre Werke zeigten. Viele Menschen kamen aber auch zur Ausstellung, weil sie diese beim Vorbeigehen oder Vorbeifahren gesehen haben oder weil sie in der Presse davon erfuhren. Daneben wurden von Kindergartengruppen und Schulklassen spezielle Führungen wahrgenommen.
Wer sich alle Würfel in Ruhe von zuhause ausbetrachten möchte, kann dies unter dem Internetportal „400- mannheimer-geschichten.de“ tun, auf dem alle Würfel abgebildet sind und weitere interessante Informationen stehen. Daneben konnten sich die Künstlerinnen und Künstler auf einem extra ausgewiesenen Forum fachlich austauschen.
Angepasst an das Jubiläumsjahr war „400 Mannheimer Geschichten“ vergänglich und endete am 9.September 2007. Jede Künstlerin und jeder Künstler hatte nach der Ausstellung darüber zu entscheiden, was mit seinem oder ihrem Kunstwerk geschehen sollte. Er/sie oder die ganze Gruppe konnte ihr Kunstwerk mit nach Hause nehmen oder es zu Gunsten eines wohltätigen Zweckes versteigern lassen.
Außerdem wird ein Katalog erscheinen, in dem alle 400 Kunstobjekte abgebildet sind und der Projektverlauf beschrieben wird. Der Katalog kann ab Mitte Oktober für 12 € bei den Veranstaltern erworben werden.
Bemerkenswert waren bei „400 Mannheimer Geschichten“ nicht nur die herausragenden Kunstwerke, sondern auch das vernetzte Tun des gesamten Projektes. Neben der oben beschriebenen Tätigkeit des Kuratoriums in den Workshops beteiligten sich insgesamt über 90 Schulen, 19 Hort / Schülergruppen / Vorschulen, 7 Kinderheime, 28 Kinderhäuser, 44 Kindergarten, 13 Gruppen des Stadtjugendrings sowie 12 Jugendeinrichtungen.
Sie alle unterstützten durch ihr Engagement die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum und leisteten uneigennützig einen wesentlichen inhaltlichen Beitrag zu "Mannheim 2007 ", der vielen Menschen in Mannheim in Erinnerung bleiben wird. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist jedoch der Projektverlauf, in dem sich Lehrer, Erzieher, Trainer etc. zusammen mit den Kindern und Jugendlichen inhaltlich mit städtischen Themen, sei es historisch oder aktuell, auseinander setzen konnten. So wurden vor und während des Gestaltens Themen erarbeitet, diskutiert und künstlerisch umgesetzt.
Finanziell unterstützt wurden die Veranstalter durch das "Projektbüro 2007 ", durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg mit der „Stiftung Kulturelle Jugendarbeit“ sowie von der "Jugendstiftung Baden-Württemberg". Die Sparkasse Rhein Neckar Nord und die SV Sparkassen Versicherung konnten dankenswerterweise als Sponsoren gewonnen werden.
Unterstützt wurde das Projekt auch durch den Wäscheservice Schäfer aus Hockenheim, der 400 Betttücher kostenlos für die Verhüllung zur Verfügung gestellt hat. Der Fachbereich „Geoinformation und Vermessung“ hat das Ausstellungsgelände auf den Millimeter genau vermessen und der Eigenbetrieb „Abfallwirtschaft“ übernahm die Entsorgung der Würfel nach Ausstellungsende. Der Fachbereich Straßenbetrieb und Grünflächen hat das Ausstellungsgelände unkompliziert zur Verfügung gestellt und der Fachbereich Hochbau kümmerte sich um die Stromversorgung.
Letztendlich sind alle diejenigen Personen hervorzuheben, die die Kinder und Jugendlichen bei der Verwirklichung ihrer Ideen unterstützt haben. Das sind die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen, die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertageseinrichtungen sowie die pädagogischen Kräfte in den Jugendeinrichtungen. Dabei sind besonders die Erwachsenen nennen, die bei den freien Verbänden und sonstigen Vereinen ehrenamtlich ihren Dienst tun. Oft waren Mütter und Väter, ja sogar Großeltern bei der Herstellung beteiligt. |